Samstag, 27. Oktober 2012

II-V-I - Verbindung in Moll

Tritonus


Beim meinem letzten Eintrag habe ich über die Spannung beim Dominantsept-Akkord geschrieben. Woher aber kommt diese Spannung und was macht diesen Akkord so interessant? Was hat dieser Akkord, das zur Auflösung dieser Spannung zu dem Grundakkord hin drängt? Die Begründung liegt in den sog. Leittönen. Ich habe einmal die Definition aus Wikipedia übernommen, besser hätte ich es nicht formulieren können:
Ein Leitton ist ein Ton, der die Erwartung einer Weiterführung (Auflösung) in einen um einen Halbton höher oder tiefer liegenden Zielton weckt. 
Maßgeblich für die Wirkung von Leittönen ist der sog. Tritonus (altgriechisch: tri = drei, tonos = Spannung). Der Tritonus beschreibt ein Intervall von 3 Ganztönen und gilt schon seit dem Mittelalter als „instabiles, dissonantes Intervall“, welches zur Auflösung hin zur stabilen Tonika drängt. Innerhalb der leitereigenen Töne einer Dur-Tonleiter existiert genau ein Tritonus, und zwar zwischen dem 4. und dem 7. leitereigenen Ton. Beide Töne sind Leittöne, da der 4. Ton um einen Halbton nach unten zur Terz und der 7. Ton um einen Halbton nach oben zum Grundton hin streben. 

Hör dir einmal folgende Töne auf dem Klavier an, dann wirst du schnell merken, was ich meine:



Betrachtest du nun einmal unser Beispiel C-Dur, stellst du fest, dass es sich bei der 4. und der 7. Stufe um die Töne F und B handelt. Diese Töne sind genau die Funktionstöne des Dominantsept-Akkords, also des Akkords auf der V. Stufe. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass dieser Akkord mit gleich zwei Leittönen sehr instabil wirkt und zu einer Auflösung drängt. 







Alles klar? Ok, dann geht es weiter. 

Die II-V-I–Verbindungen in Dur sind dir ja wahrscheinlich schon in Fleisch und Blut übergegangen – und das in allen Tonarten. Oder hattest du schon wieder keine Zeit zum Üben? Was soll ich sagen – setz‘ dich endlich an‘s Klavier und fang an !

Nun komme ich zu den II-V-I – Verbindungen in Moll
Die Ausführungen über den Tritonus habe ich vorweg gestellt, damit der harmonische Zusammenhang der Akkorde logisch nachvollziehbar ist. Auf den Tritonus werde ich an anderer Stelle nochmal näher eingehen.

Wie auch schon bei den II-V-I–Verbindungen in Dur ist die Grundlage für die einzelnen Stufenakkorde wieder eine Tonleiter – diesmal jedoch nicht die Dur- sondern die Moll-Tonleiter. Der Einfachheit halber nehme ich die parallele Molltonart zu C-Dur, also A-Moll. 
Wie du sicher schon gehört hast gibt es verschiedenen Molltonleitern mit unterschiedlichen Tönen – welche ist denn nun die richtige? 

Ich beginne einmal mit der einfachsten Variante, der „natürlichen Molltonleiter“. Diese ergibt sich aus der Durtonleiter, indem du einfach eine kleine Terz unter dem Grundton der Durtonleiter beginnst und die gleichen Töne wie bei der Durtonleiter verwendest.




Genau wie bei der Dur-Variante bildest du nun Akkorde in Terzschichtungen auf jeder Stufe. Daraus ergeben sich folgende Akkorde:



Wie du sicher schon bemerkt hast, hat die natürliche Molltonleiter kein Tritonus-Intervall. Dadurch fehlt der Leitton hin zum Grundton und es ergibt sich auf der V. Stufe kein Dominantsept-Akkord sondern ein Mollsept-Akkord. Das führt dazu, dass die Schlusswendung der II-V-I–Verbindung keine Spannung aufweist und ein tonales Zentrum nur schwer zu erkennen ist. Um das dennoch zu erreichen, hat man einen Trick angewendet: Man erhöht die 7. Stufe der natürlichen Molltonleiter um einen halben Ton. Dadurch entsteht ein Leitton (Halbton unter dem Grundton) und beim V. Stufenakkord ergibt sich eine große Terz und somit ein Dominantsept-Akkord. Die neu entstandene Tonleiter mit erhöhter 7. Stufe nennt man „harmonisch Moll“.


Auf der Basis dieser Tonleiter kannst du nun die II-V-I – Verbindung in Moll ableiten. 







Das Intervall zwischen den beiden Leittönen entspricht nun zwar einem Tritonus, aber dieser ist nicht symmetrisch. Zwischen dem 6. und 7. Ton entsteht ein Intervall aus 3 Halbtönen. 
Weil der 1 ½ Tonschritt etwas ungewöhnlich klingt, wird diese Tonleiter auch oft „arabisch Moll“ genannt. Um dieses gewöhnungsbedürftige Intervall zu vermeiden, wird in der Jazz- und Popmusik zur Melodieführung oder zum Improvisieren oft schon die 6. Stufe erhöht und man erhält die „melodische Molltonleiter“. Diese Tonleiter hat eine kleine Terz (Mollterz), ansonsten entsprechen die Töne der Dur-Tonleiter. Hier besteht nun auch der Tritonus aus den gewohnten drei Ganztonschritten und die Ordnung ist somit wieder hergestellt.


Auf der II. Stufe steht also ein halbverminderter Akkord, auf der V. Stufe ein Dominantsept-Akkord und die Tonika ergibt sich unter Verwendung der leitereigenen Töne der harmonischen Molltonleiter als Moll-Major-Akkord. Stellvertretend dafür wird auch häufig der Mollsept-Akkord oder der Mollsext-Akkord verwendet. In dem folgenden Notenbeispiel sind sechs Varianten der II-V-I-Verbindung in Moll als One-hand-Voicings dargestellt. Versuche selbst ein paar schön klingende Two-hand-Voicings herauszufinden.





So, das war‘s mal wieder. Lerne die II-V-I–Verbindungen in Moll in allen Tonarten, am besten nach den Tonart-Karten.

Viel Spaß beim Üben !



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