Montag, 15. Oktober 2012

Rhythmus

Schenkelklopfer


Heute komme ich zu einem ganz wichtigen Punkt in der Musik – dem Rhythmus. Und damit ist nicht ein bestimmter Tanzrhythmus wie Samba oder Rumba gemeint, sondern der Rhythmus der beim Musikmachen in deinem Inneren mitläuft. Sozusagen dein eigener kleiner Schlagzeuger in deinem Kopf. Wenn eine Band es schafft, dass jeder seinen inneren kleinen Schlagzeuger mit dem seiner Mitmusiker synchronisiert, dann beginnt die Musik zu grooven. Die schönsten Akkorde klingen nicht, wenn keine gemeinsame rhythmische Auffassung des gespielten Musikstückes vorhanden ist. Als Musiker in einer Band musst du den Rhythmus in dir selbst spüren, er muss wie eine innere Uhr unabhängig von den Tönen, die du spielst, mitlaufen. Der Schlagzeuger gibt das Tempo und die Form des Stückes vor und trägt natürlich wesentlich zum Groove des Stückes bei. Aber denke ja nicht, dass er alleine für den Rhythmus verantwortlich ist. Er ist lediglich der Dirigent von allen kleinen Schlagzeugern, die in den Köpfen der einzelnen Musiker mitspielen. 

Immer wieder hörst du Bands, bei denen alle Akkorde und Töne richtig gespielt werden - und trotzdem fängt es nicht an zu swingen oder zu grooven. Das liegt ganz einfach daran, dass die einzelnen Musiker z.T. ein unterschiedliches Gefühl für Rhythmik, Synkopen oder  Taktschwerpunkte haben. Selbst bei einer schwierigen synkopischen Linienführung, z.B. bei Bläsersätzen, muss dein kleiner innerer Schlagzeuger jederzeit die Zählzeit 1 in einem Takt fühlen. 

Um das zu trainieren, habe ich mir eine Übung überlegt, die sogenannte Schenkelklopfer-Übung.
Diese Übung trainiert mithilfe des Körpergefühls den inneren Puls, der durch die gespielten oder gesungenen Noten nicht unterbrochen werden darf.

Ich habe hierzu ein kleines Video aufgenommen, in dem die Übung demonstriert wird. Die Übung ist in einzelne Schritte unterteilt und es ist wichtig, dass du jeden Übungsschritt sicher beherrschst, bevor du zur nächsten Übung weitergehst.

Für diese Übung kannst du dir im Prinzip jedes beliebige Musikstück aussuchen. Voraussetzung ist, dass du das Stück relativ gut kennst. Ich habe deshalb als Beispiel ein sehr bekanntes Stück ausgesucht welches sich außerdem für die Erklärung dieser Übung hervorragend anbietet.


Das Stück kennt jeder, es ist „Satisfaction“ von den Rolling Stones. 

Bevor du nun das Video startest, noch ein paar Erklärungen dazu. Hier siehst du die rhythmisierte Darstellung der Hookline. Es ist lediglich die viertaktige Phrase, quasi der Refrain, der beliebig oft wiederholt werden kann. 


  • in dem Bild ist der Rhythmus gleichmäßig in Achtelnoten aufgeteilt. Die Übung baut darauf auf, dass die Achtelnoten zu einem vorgegebenen Tempo immer abwechselnd mit der rechten und linken Hand leicht auf die Oberschenkel geschlagen werden (Schenkelklopfer) 
  • die Zahlen direkt über dem Notensystem stehen für die einzelnen Zählzeiten jedes Taktes 
  • die roten Pfeile darüber kennzeichnen die rhythmische Position der Melodietöne. 
  • die Buchstaben R und L darüber kennzeichnen die Hand, mit der die entsprechende Melodiesilbe geschlagen wird. Dies ergibt sich automatisch, wenn du auf die Zählzeit 1 mit der rechten Hand beginnst 
  • unter dem Notensystem ist zusätzlich der Text angegeben. Die Textsilben und die roten Pfeile stimmen in ihrer Taktposition überein 
  • du kannst die Melodie entweder dazu singen oder einfach nur die Silben im richtigen Rhythmus sprechen 
  • zusätzlich markieren die gelben Punkte die Schläge, die der Schlagzeuger auf der Snaredrum spielt, die sog. „Backbeats“ auf die Zählzeiten 2 und 4 eines jeden Taktes. Diese sind angegeben, weil in meinem Beispiel das Metronom genau diese Backbeats vorgibt, d.h. das Metronom schlägt auf die Zählzeiten 2 und 4. Das ist vielleicht am Anfang etwas ungewohnt, aber du solltest dir grundsätzlich angewöhnen, das Metronom beim Üben auf diese Weise einzusetzen. Nach kurzer Eingewöhnungszeit wirst du merken, dass es viel grooviger ist als einfach alle vier Schläge eines Taktes durchlaufen zu lassen 
  • versuche dich nicht zu verkrampfen, sondern bewege die Hände ganz locker im Achtelrhythmus auf und ab und achte darauf ganz normal weiter zu atmen. Wenn du dich zu stark konzentrierst, werden die Bewegungen vielleicht etwas unrund und zickig. Lass einfach den Rhythmus auf dich einströmen und klopfe so locker wie möglich. Achte darauf, dass die Achtelnoten genau "in time" geschlagen werden und gehe erst zur nächsten Übung, wenn das wirklich locker und ohne Anstrengung klappt
  • ich hebe auf dem Video meine Hände bei der Betonung der Textsilben relativ stark an. Das dient nur zur Demonstration des Prinzips. Versuche die Hände ganz gleichmäßig zu bewegen und die Betonungen nur durch einen leicht stärkeren Impuls der jeweiligen Hand zu spüren. Je höher du deine Hände hebst, desto "unrunder" wird der Rhythmus
Wenn dir das Prinzip der Übung klar geworden ist, kannst du das mit jedem Song machen. Manche Songs sind natürlich besser, andere schlechter geeignet, aber grundsätzlich geht es mit jedem Song. Bei langsameren Stücken bietet es sich an die 16-tel Noten zu schlagen, weil man mit den 8-tel Noten unter Umständen nicht alle Textsilben erwischt. Und bei Swingstücken solltest du unbedingt die 8-tel-Triolen schlagen. Aber du wirst schnell herausfinden, welcher Rhythmus für welchen Song der richtige ist. „Satisfaction“ ist meines Erachtens am Anfang deshalb gut geeignet, weil die Betonungen der Textsilben sich abwechselnd auf beide Hände verteilen. Aber das wirst du jetzt gleich selbst merken. 

So, genug Theorie. Jetzt starte das Video und folge einfach den Anweisungen. Und denke daran erst dann zur nächsten Übung zu gehen, wenn du sicher genug bist. 


Viel Spaß beim Üben !


video

1 Kommentar:

Johannes hat gesagt…

Eine gute Übung und eine gute Erklärung!
Durch das Video wird es leicht verständlich.