Montag, 22. Oktober 2012

Voicings


Der Dominantsept-Akkord

Der Dominantsept-Akkord hat im Jazz eine besondere Bedeutung. Er steht auf der V. Stufe der Tonleiter und hat das Bestreben, sich zur Tonika hin aufzulösen, z.B. in der bereits bekannten II-V-I-Verbindung. Mit diesem Akkord wird also eine Spannung aufgebaut und im Jazz werden hierfür die unterschiedlichsten Optionstöne (Voicings) verwendet. Je höher die Spannung im Voicing des Dominantsept-Akkordes ist, desto interessanter klingt die musikalische Phrase und desto effektvoller ist dann die Auflösung hin zur Tonika.  
Es gibt natürlich für jeden anderen Akkordtyp ebenfalls interessante Voicings, welche ich nach und nach in meinem Blog auch behandele, aber die meisten Möglichkeiten musikalisch einen Spannungsbogen aufzubauen hast du beim Dominantsept-Akkord.


Jetzt zu den einzelnen Tönen. Den 9.Ton der Tonleiter, die None, hast du wahrscheinlich schon sicher im Griff. Heute kommt im nächsten Schritt der 13.Ton, die Tredezime, hinzu. Und dass es nicht zu langweilig wird auch noch gleich die Variationen der Töne 9 und 13, die sog. Alterationen. Hierzu schau` dir zuerst mal eine Tonleiter an, die im Jazz eine sehr wichtige Rolle spielt, die „alterierte Tonleiter“. Alterieren bedeutet nichts anderes als abändern, d.h. die normalen Töne der Tonleiter werden so abgeändert, dass sie entweder einen halben Ton tiefer oder einen halben Ton höher sind als der Ursprungston. Die Töne der alterierten Tonleiter bilden die Grundlage für eine Improvisation über einen Akkord auf der V. Stufe, also einen Dominantsept-Akkord. Aber zur Improvisation komme ich später. Zunächst einmal die alterierte Tonleiter:

Wie du siehst, werden die Funktionstöne, also der Grundton, die Terz und die Septime nicht verändert, alle restlichen Töne werden „alteriert“. Die None wird sowohl um einen halben Ton erniedrigt (b9) als auch erhöht (#9), die Undezime wird um einen halben Ton erhöht (#11) und die Tredezime wird um einen halben Ton erniedrigt (b13). Alles andere würde keinen Sinn ergeben, da eine verminderte Undezime (b11) ja die große Terz und eine erhöhte Tredezime (#13) die kleine Septime ergeben würde.

Verwendest du nun diese Töne statt der Ursprungstöne, erhältst du verschiedene alterierte Akkorde. Wenn du ein spezielles Voicing willst, musst du die einzelnen Tonstufen als Akkorderweiterung, wie unten dargestellt, angeben. Wenn es dem Interpret überlassen werden soll, welches Voicing er bei dem Akkord spielt, kannst du auch einfach "alt" hinter den Akkord schreiben. Du musst natürlich den Akkord nicht zwangsläufig alterieren, du kannst auch die tonleitereigenen Töne 9 und 13 spielen, je nachdem welchen Sound du haben möchtest. Nachfolgend sind einige Akkordvarianten für G7 aufgeschrieben. Übe diese Voicings mit den Tonart-Karten in allen Tonarten.


























"Two-hand-Voicings"
Nun wende die Dominantsept-Akkorde auf das Playalong von „Fly me to the moon“ an. Ich habe  zwei Varianten zum Leadsheet notiert; zuerst Two-hand-Voicings mit Grundton als mögliche Pianobegleitung für einen Sänger oder Instrumentalisten und dann One-hand-Voicings zum Spielen in einer Combo. Die One-hand-Voicings kannst du auch ohne den Basston mit der linken Hand als sog. Left-hand-Voicings verwenden. 

Die Noten zum Herunterladen findest du unter der Rubrik „Downloads“ als .pdf-Dateien.

"One-hand-"  oder "Left-hand-Voicings" 


Du wirst merken, dass die Voicings schon recht „jazzig“ klingen. Jetzt kommt noch das Rhythmisieren der Voicings dazu. Probiere einfach mal verschiedene Möglichkeiten aus, Akkorde auf unterschiedliche Zählzeiten im Takt zu spielen und du wirst schnell hören, was besser oder schlechter klingt. Zum Reinhören findest du unter „Playalongs“ zwei weitere Files zum Herunterladen. Ich habe die Melodie mit dem Saxofon dazu gespielt, einmal mit Left-hand-Voicings rhythmisiert und einmal ganz ohne Piano zum Mitspielen. 




Viel Spaß beim Üben !



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