Samstag, 10. November 2012

Akkorde


Bisher habe ich in meinem Blog folgende Akkordtypen behandelt:
  • Major-Akkorde
  • Mollsept-Akkorde
  • Dominantsept-Akkorde
  • Halbverminderte Akkorde
  • sus4-Akkorde

Zur Vervollständigung werde ich die Liste heute noch um die beiden Akkordtypen:
  • Verminderte Akkorde
  • Übermäßige Akkorde

ergänzen. Damit sind dann alle akkordischen Funktionen beschrieben und du bist in der Lage, jeden beliebigen Jazz-Standard zu begleiten. Natürlich gibt es noch eine Reihe von Möglichkeiten, diese Akkorde mit entsprechenden Voicings klanglich zu variieren, aber die Akkordfunktionen ändern sich dadurch nicht.

Nun aber zuerst mal zu den beiden neuen Akkordtypen:

Verminderte Akkorde:

Verminderte Akkorde haben eindeutig dominantischen Charakter, d.h. sie streben nach einer harmonischen Auflösung hin zur Tonika. Der Akkord leitet sich aus dem Dominantsept-Akkord ab, indem alle Töne außer dem Grundton um einen halben Ton vermindert werden. Ein verminderter Vierklang besteht somit aus drei übereinander liegenden kleinen Terzen, beinhaltet also die Tonstufen -3, b5, bb7 (=6). Schichtet man eine weitere kleine Terz darüber, erhält man wieder den Grundton. Für die Bezeichnung des Akkordes gibt es verschiedene Schreibweisen:

Cverm      oder      
Cdim      oder     
Co
  

Die Besonderheit dieses Akkords besteht darin, dass sich seine dominantische Wirkung nicht wie üblicherweise von der V-Stufe ableitet, sondern ähnlich wie beim sus4-Akkord auf der I-Stufe entsteht. Verminderte Akkorde werden häufig auch als Durchgangsakkorde bezeichnet. Im unten stehenden Beispiel in C-Dur kannst du erkennen, dass der auf dem Grundton aufgebaute, verminderte Akkord zwei Leittöne hat. Das Eb strebt hin zum E (Durterz) und das Gb strebt zum G (Quinte). 


Wie du siehst ist die 5. Stufe von C, also die Dominante (G), gar nicht in der Tonleiter enthalten.

Eine weitere Besonderheit dieses  Akkords ist durch seine gleichmäßige Struktur bedingt. Verschiebst du den Akkord um eine kleine Terz nach oben, erhältst du Ebo. Da die Terzschichtung regelmäßig ist, rückt der höchste Ton des Akkords ebenfalls um eine kleine Terz nach oben und du erhältst den Ton C. Somit enthält Ebo die gleichen Töne wie Co. Das Gleiche gilt demzufolge auch für Gbo und Ao.

Somit hast du schon vier von den 12 möglichen Tonarten mit praktisch dem gleichen Akkord „erschlagen“. Demzufolge gibt es dann nur noch zwei weitere Akkorde, um alle zwölf Tonarten abzudecken.

            Co       =         Ebo         =           Gbo         =          Ao

            C#o    =         Eo            =           Go            =          Bbo

            Do       =         Fo            =           Abo         =           Bo

Probier‘ es einfach mal aus. Spiele mit der rechten Hand den vierstimmigen Akkord und mit der linken Hand jeweils den entsprechenden Grundton.

  

Übermäßige Akkorde:

Der übermäßige Akkord ist ebenfalls ein dominantischer Akkord, nun wieder wie üblich auf der V-Stufe. Der Akkord leitet sich aus der mixolydischen Tonleiter ab, er enthält also die Terz und die kleine Septime. Zusätzlich wird nun noch die Quinte um einen halben Ton erhöht, was dazu führt, dass dieser Akkord praktisch 3 Leittöne hat. 




Die Terz liegt einen Halbton unter dem Grundton der Tonika. Die Septime liegt einen Halbton über der Terz und die übermäßige Quinte einen Halbton unter der Terz der Tonika. Somit erzeugt dieser Akkord eine vergleichbar hohe Spannung mit starkem Drang zur Auflösung wie ein alterierter Dominantsept-Akkord. Für diesen Akkord gibt es auch wieder mehrere gängige Bezeichnungen:

                            F7#5        oder      F+         oder     Faug 
                                                                                           (aug = engl. augmented = erweitert)




Vom Ton entspricht die übermäßige Quinte (#5) der verminderten Tredezime (b13).

So, nun hast du alle funktionalen Akkordtypen zusammen. Lerne alle Akkorde und Voicings in allen Tonarten, dann bist du für die Begleitung von Jazz-Standards bestens gerüstet. 
  

Viel Spaß beim Üben !



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