Dienstag, 6. November 2012

Voicings

"sus"-Akkorde

Hallo - ich hoffe, du bist immer noch gut dabei und hast die letzten Übungen alle schon drauf. Heute möchte ich die "sus"-Akkorde behandeln. "sus" (engl. abgekürzt für „suspended“) bedeutet also suspendieren oder weglassen. Damit ist gemeint, dass ein bestimmter Ton eines Akkords weggelassen und durch einen anderen ersetzt wird. Weggelassen wir immer die Terz (3), ersetzt werden kann sie durch die Quarte (sus4) oder durch die Sekunde (sus2). In beiden Fällen wird der Akkord durch die fehlende Terz „geschlechtslos“, d.h. man kann ihn weder den Dur- noch den Mollakkorden zuordnen. Besonders der sus4-Akkord erzeugt klanglich eine hohe Spannung und strebt infolge des Halbtonschrittes zwischen Quarte (Leitton) und Terz zur Auflösung.

Aufgrund dieser Spannung hat der sus4-Akkord eindeutig einen dominantischen Charakter, d.h. er kann als Dominantsept-Akkord auf der V-Stufe verwendet werden. Hierfür mal ein Beispiel:



Normalerweise würde bei Dominantsept-Akkorden die Quarte als Optionston mit (11) bezeichnet. Das schreibt man in diesem Fall jedoch nicht, um eindeutig klar zu machen, dass auf die Terz verzichtet und diese durch die Quarte (sus4) ersetzt wird. Die dominantische Wirkung erhält das Voicing durch die kleine Septime (b7). Die None (9) wird, wie bei Dominantsept-Akkorden üblich, hinzugefügt. Somit ergibt sich als dreistimmiges „sus4-Voicing“ der Durakkord auf der 7. Stufe der mixolydischen Tonleiter, also bei G7 ein „F-Dur Akkord“.



Eine weitere Anwendung des sus4-Akkords kommt aus der klassischen Harmonielehre. Hierbei wird die Quarte als Vorhalt (lat. suspendere = vorhalten) für die Tonika verwendet, um beim Schlussakkord eine zusätzliche Spannung zu erzeugen und somit den Spannungsbogen des Dominantsept-Akkords zu verlängern. Hierbei wird lediglich die Terz durch die Quarte ersetzt, die Akkordtöne Quinte und Grundton bleiben unverändert.

Als Unterscheidung zwischen den beiden Akkordfunktionen wird im ersten Fall häufig die Dominantfunktion zusätzlich durch Hinzufügen der „7“ bei der Akkordbezeichnung deutlich gemacht:
Oder die Bezeichnung erfolgt als „Slash-Chord“, d.h. als Angabe eines Akkordes mit einem anderen Grundton (F-Dur mit G im Bass)
Bei dieser Schreibweise wird klar, wie du dir die sus-Voicings sehr einfach merken kannst: 
Spiele einfach den Dur-Akkord der einen Ganzton unter dem Grundton des Dominantsept-Akkords liegt.

Eine weiterer Optionston für den Dominantsept-Akkord ist die übermäßige Undezime, also die „#11“. Ich möchte dieses Voicing an dieser Stelle gleich mit behandeln, da du dir diesen Akkord ähnlich leicht merken kannst wie den sus4-Akkord und es sich bei beiden um dominantische Voicings handelt.


In C-Dur lautet der Dominantsept-Akkord auf der V-Stufe „G7“. Die übermäßige Undezime, also die #11= C#. Die None ist ein „A“ und die Tredezime ein „E“. Somit ergibt sich in der rechten Hand ein A-Dur-Akkord. Die linke Hand spielt den Grundton und die Septime als Leitton und daraus ergibt sich dann folgender Akkord:


Also nochmal zusammengefasst:
  • beim sus4-Voicing den Dur-Akkord einen Ganzton unter dem Grundton, 
  • beim 7#11-Voicing den Durakkord einen Ganzton über dem Grundton des Dominantsept-Akkords spielen.

Am besten du benutzt wieder die Karten und probierst alle Tonarten durch – auch mal mit den verschiedenen Umkehrungen des Dur-Akkordes in der rechten Hand. Achte einfach einmal darauf, welche Klangfarbe dir am besten gefällt.


Viel Spaß beim Üben !




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