Freitag, 14. Dezember 2012

Reharmonisierung

Beispiel "Alice in Wonderland"


Hallo, ich hoffe es geht dir gut und du bist mit dem Üben vorangekommen.

Heute möchte ich dir an dem Stück „Alice in Wonderland“ noch ein paar Möglichkeiten der Reharmonisierung zeigen.
Ich werde verschiedene Akkorde „reharmonisieren“, wobei ich nicht nur die Tritonus-Substitution verwende, sondern auch Akkorde und Voicings aus dem bereits behandelten Repertoire. Wichtig dabei ist, dass du bei einer Reharmonisierung immer auf die Melodieführung achtest. Du musst die Voicings so wählen, dass sich keine Dissonanzen mit der Melodie ergeben. Beim Improvisieren hast du dann deutlich mehr Freiheiten, auch ungewöhnliche Voicings einzubauen. Nimm das letzte Leadsheet als Vergleich um die Änderungen nachzuvollziehen.

Grundsätzlich habe ich vierstimmige Voicings für die rechte Hand verwendet. Mit der linken Hand spiele ich den Grundton. Wie du siehst, verdopple ich oft einen Ton aus dem Voicing der rechten Hand. Das macht den Klang etwas voller, ist jedoch nicht unbedingt erforderlich. Meist genügt es, mit der linken Hand den Grundton zu spielen. Probier‘ einfach aus, welcher Klang dir besser gefällt.
Die Takte, in denen ich eine Reharmonisierung oder eine klangliche Änderung vorgenommen habe, sind mit den Taktnummern gekennzeichnet. Im nachfolgenden Text findest du die entsprechenden Erklärungen dazu:







  • Takt 2: Tritonus-Substitution von G à Db als Dominante von C. Hierdurch ergibt sich eine chromatische Abwärtsbewegung der Basslinie von D nach C.
  • Takt 6: Tritonus-Substitution von E à Bb, dadurch ebenfalls die chromatische Abwärtsbewegung der Basslinie von B nach A.
  













  • Takt 8: statt des reinen Dominantsept-Voicings verwende ich das teilalterierte Voicing mit der verminderten None.
  • Takt 10: hier verwende ich bewusst keine Tritonus-Substitution, da sich dadurch ein Halbtonintervall zur Melodie ergeben würde, was nicht schön klingt. Weiterhin käme eine ungewöhnliche Bassbewegung zustande. Als Klangfarbe dient der teilalterierte Akkord G13b9. 
  • Takt 12: normalerweise steht hier ein Moll-Akkord. Betrachtest du die Akkordfolge von Takt 11 bis 14, erkennst du dass es sich um eine II-V-I-Verbindungen handelt (E-7 à A7 à D), wobei die Tonika durch eine weitere II-V-I-Verbindung ersetzt wird (D-7 à G7 à C). Bei der ersten II-V-I-Verbindung wird die Dominante durch den Tritonus ersetzt. Im zweiten Fall nicht, hier gilt das gleiche wie in Takt 10. 















  • Takt 15 und 16: hier würde man üblicherweise die Tonika erwarten. Diese wird wie in Takt 11 bis 14 durch zwei parallele II-V-Verbindungen ersetzt. In beiden Fällen habe ich für das Dominantsept-Voicing die Tritonus-Substitution verwendet. Somit ergibt sich wieder eine fließende, chromatische Abwärtsbewegung im Bass.
  • Takt 18: Als Übergang in den B-Teil klingt der Mollseptakkord sehr „brav“. Um eine höhere Spannung zu erzeugen, habe ich hier die alterierte Dominante {A7(b9b13)} des ersten B-Teils-Akkords (D9)gewählt.
  


















  • Takt 20: statt der Tritonus Substitution habe ich aufgrund der ungünstigen Basslinie in diesem Fall das übermäßige Dominantsept-Voicing gewählt.
  • Takt 22: das alterierte Voicing A7(b9b13) ergibt an dieser Stelle eine deutlich höhere Spannung als das Mollsept-Voicing. Bei gleichem Voicing in der rechten Hand wäre als Basston auch Eb möglich, was dann Eb13 entspricht (unalteriert). Dadurch ergäbe sich wieder eine chromatische Basslinie.
  • Takt 24: um eine etwas andere Klangfarbe zu erhalten, habe ich in diesem Takt ein sus4-Voicing gewählt. Auf die Zählzeit 3 als Akzent dann die Tritonus-Substitution des Dominantsept-Akkords mit Auflösung zur Tonika in Takt 25.
  
  • Takt 28: Tritonus-Substitution von B9  à  F9.
  

















  • Takt 30: Tritonus-Substitution von A7 à Eb7. In Verbindung mit der Reharmonisierung in Takt 28 ergibt sich wieder ein chromatischer Abwärtsverlauf im Bass von Takt 27 bis Takt 32.
  • Takt 31 und 32: der Dominant-Septakkord (A7) wird jeweils durch einen verminderten Akkord (C#o) ersetzt, was zu einer Erhöhung des Spannungsbogens führt.

        Teil C des Stückes entspricht dann wieder Teil A.


Hör dir das Stück an und mache dir die Akkordfunktionen anhand der obenstehenden Erklärungen klar. Natürlich wirst du nicht grundsätzlich alle Akkorde wie in dem Beispiel reharmonisieren. Wenn du mehrere Durchgänge des Stückes spielst, beginne zuerst mit den einfachen, zweistimmigen Voicings. Dann wechsle zu den dreistimmigen Voicings und im letzten Durchgang auf die vierstimmigen Voicings ggf. mit Reharmonisierung im letzten C-Teil. Setze die Klangeffekte sparsam ein. Eine Überfrachtung mit Reharmonisierungen lässt ein Stück schnell statisch und unelegant klingen. Die richtige Mischung der Voicings und der dramaturgische Aufbau der Harmonien macht ein Stück für den Zuhörer interessant, nicht komplizierte Voicings und Akkordverbindungen.

Wie immer findest du die Stücke zum downloaden unter der Rubrik "Playalongs". Einmal die komplette Version wie sie oben zu hören ist, dann eine Version ohne Piano zum mitspielen und eine Version nur mit Bass und Drums bei der du mit der linken Hand die "left-hand-Voicings" und mit der rechten Hand die Melodie oder eine Improvisation dazu spielen kannst. 

Das Leadsheet zum downloaden findest du unter der Rubrik "Downloads"

Viel Spaß beim Üben !




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