Samstag, 1. Dezember 2012

Tritonus-Substitution


Reharmonisierung

Hallo! Endlich habe ich mal wieder etwas Zeit, um an meinem Blog weiter zu schreiben. Wie klappt das mit dem Playalong von „Alice in Wonderland“?. Ich hoffe, du kannst die Voicings schon auswendig. Um mit der Reharmonisierung sinnvoll weitermachen zu können, muss ich heute leider zuerst noch ein wenig Theorie einschieben.
Es geht mal wieder um einen wichtigen Akkordtyp im Jazz, nämlich – den Dominantsept-Akkord. Kannst du dich an die Seite mit dem Tritonus erinnern? Der Tritonus ist durch seine Dissonanz, wie bereits beschrieben, für den klanglichen Spannungsaufbau verantwortlich. Um diese Spannung nun weiter zu steigern oder ein Musikstück zumindest klanglich noch interessanter zu gestalten, kann man die sog. „Tritonus-Substitution“ anwenden. 
Wie du bereits weißt, besteht ein Tritonus aus drei Ganztonabständen. Dieses kommt üblicherweise in einer Durtonleiter nur einmal vor. Nun kannst du aber eine Oktave in zwei Tritonüsse (oder wie heißt das) aufteilen, indem du als Tonabstände nur Ganztöne wählst. Dadurch erhältst du eine absolut symmetrische Skala, die sog. „Ganztonskala“, in unserem Beispiel von C nach C.


Merke: Ein Tritonus ist genau die Hälfte einer Oktave 


Ich bleibe bei dem Beispiel in C-Dur. Zur Erinnerung: der Tritonus in C-Dur besteht aus den Tönen F und B, also den Funktionstönen (guide-tones) des zu C-Dur gehörigen Dominantsept-Akkords. Die Töne G (Grundton), B (Terz) und F (Septime) bilden das funktionale Gerüst des G7-Akkords.

Verschiebt man nun den so aufgebauten G7-Akkord um drei Ganztöne, also einen Tritonus nach oben (oder nach unten), erhält man einen C#7-Akkord (Db7-Akkord) mit folgenden Tönen:


Merke: Die Umkehrung eines Tritonus ergibt wieder einen Tritonus.

Jetzt kommt der Trick an der ganzen Sache. Der Grundton verändert sich von G zu C#, aber die „guide-tones“ bleiben gleich. Lediglich die Terz von G7 wird zur Septime des neuen Akkords und die Septime wird zur Terz.
Das bedeutet im Klartext, dass sich die Akkorde G7 und C#7 lediglich durch ihren Grundton unterscheiden. Die „guide-tones“ sind gleich, was wiederum bedeutet, dass die beiden Voicings gegeneinander austauschbar sind.

                                                                                                                       Entsprechungen der "guide-tones":

Durch diese „Reharmonisierung“ entsteht bei einer II-V-I-Verbindung im Bass eine chromatische, fließende Abwärtsbewegung, welche ein Stück oder eine bestimmte Passage eines Stückes oft interessanter klingen lässt. 

Als Hörbeispiel habe ich zur Abwechslung einmal einen Turnarrond gewählt. Unter einem Turnarround versteht man eine II-V-I-Verbindung, die am Ende durch die Dominante der II-Stufe ergänzt wird. Dadurch ergibt sich ein fließender Übergang wieder in den Mollsept-Akkord. Solche Turnarrounds sind in Jazz-Standards sehr häufig zu finden. In dem Beispiel werden die beiden vorkommenden Dominantsept-Akkorde durch ihren Tritonus ersetzt.

Achte in den folgenden Hörbeispielen von allem auf die Basstöne. Die Voicings in der rechten Hand bestehen aus denselben Tönen, nur die Basslinie ändert sich. Ich spiele immer zuerst den „normalen“ Turnarround, einmal als liegende Akkorde und einmal rhythmisiert. Danach folgt die Variante mit der Tritonus-Substitution. Notiert habe ich nur die liegenden Akkorde.






Wie du an den Noten und an den Akkordbezeichnungen siehst, wird aus einem alterierten Voicing durch die Tritonus-Substitution ein nicht-alteriertes Voicing – und umgekehrt. Beim letzten Beispiel habe ich für den Schlussakkord die Umkehrung mit untenliegender None gewählt. Wie ich finde, ein interessanter Klang, zumal sich dadurch eine sinnvolle Linie der obersten Akkordtöne ergibt.

Versuch' einmal, diese Akkordverbindung anhand der Tonart-Karten durch alle Tonarten zu spielen.

Viel Spaß beim Üben !




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