Samstag, 19. Januar 2013

Improvisation

All of me

Hallo! Ich freue mich, dass du auf meiner Seite vorbeischaust. 

Heute geht es mal wieder um das Thema Improvisation. Du hast ja nun schon ein paar Möglichkeiten kennengelernt, wie du die richtigen Töne für ein Solo auswählen kannst:
  • Pentatonische Skala
  • Bluesskala
  • Skalen auf den Stufen der Durtonleiter

Mit dieser Tonauswahl und der richtigen Phrasierung kommt man schon ganz gut zurecht. Heute möchte ich dir nun eine weitere Möglichkeit zeigen, deine Improvisation noch etwas interessanter und abwechslungsreicher zu gestalten. Hierfür habe ich als Beispiel auch  wieder einen bekannten Jazz-Standard gewählt, nämlich den Titel „All of me“. Das Leadsheet findest du wieder auf der Seite Downloads, die verschiedenen Aufnahmen zum Mitspielen auf der Seite Playalongs


Diesmal möchte ich die Soli nicht auf Skalen aufbauen, sondern mich an der Melodie orientieren. Das bedeutet, du musst zuerst einmal die Melodie sicher drauf haben um dann die Melodietöne zu umspielen. Hierzu eine Vorübung:
Spiele mit der rechten Hand die jeweiligen Akkordtöne – aber nicht direkt, sondern beginne jeweils mit nächsthöheren Ton der Tonleiter, dann einen Halbton darunter und dann den Akkordton. Das Ganze nun in Triolen. Zum besseren Verständnis hier mal das Notenbild für die ersten vier Akkorde - die Akkordtöne sind fett dargestellt:

Diese Übung ist natürlich sehr schematisch und nicht wirklich für ein Solo geeignet, aber so bekommst du ein Gefühl dafür, wie du die Melodielinien variieren kannst. Wenn du nun bei einem Stück diese zusätzlichen Töne verwendest, noch kleine rhythmische Veränderungen vornimmst, eine Linie statt von oben nach unten einfach von unten nach oben spielst, dann hast du schon wieder eine ganze Reihe von Variationsmöglichkeiten. Natürlich wirst du dein Solo nicht nur nach einer einzigen Methode gestalten. Im Laufe der Zeit vermischen sich die einzelnen Techniken ganz automatisch und heraus kommt eine schöne und abwechslungsreiche Improvisation. 

In dem folgenden Hörbeispiel habe ich mich bemüht, möglichst nahe an der Melodie zu bleiben, was mir leider nicht immer gelungen ist. Hör‘ einmal hin, ob du noch melodische oder rhythmische Fragmente der ursprünglichen Melodie erkennen kannst.
Um etwas Abwechslung in die Demos zu bringen, habe ich im ersten und letzten Durchgang die Melodie einmal gesungen, das erste Solo spiele ich auf dem Klavier und das zweite Solo auf dem Tenorsaxofon. Und um das Stück noch etwas abzurunden habe ich die vier letzten Takte als Intro, nur vom Bass gespielt, vorangestellt. Somit ergibt sich schon ein kleines Arrangement.



Bei der Begleitung habe ich die bereits bekannten Voicings der linken Hand durch zusätzliche Töne in der rechten Hand unterstützt. Dieses Voicing der rechten Hand setzt sich immer aus einer Quinte und einer Quarte zusammen, also praktisch einer Oktave mit zugehöriger Quinte. Man nennt solche Voicings "Block-Voicings" oder "Block-Akkorde". Probier‘ es einfach mal aus, ich habe dir hier einmal ein paar Möglichkeiten für die ersten 4 Akkorde notiert. Aus Demonstrationszwecken verwende ich das Voicing recht häufig; du solltest es jedoch beim Spielen in einer Combo nicht überstrapazieren, sonst hört man sich schnell satt daran. Aber an der richtigen Stelle eingesetzt, bringt es einen schönen Effekt.

So, das war’s auch schon für heute. Übe die Akkordbrechungen mit den Annäherungstönen wenn möglich wieder in allen Tonarten, dann bist du für das nächste Solo bestens gerüstet.


Viel Spaß beim Üben !




Keine Kommentare: