Samstag, 12. Januar 2013

Rhythmus

Phrasierungen

Hallo, freut mich, dass du mal wieder bei meinem Blog hereinschaust.
Na, wie klappt es mittlerweile mit der Improvisation? Mit ein wenig Übung klingt das doch schon ganz gut.

Heute möchte ich einmal etwas zu dem vielleicht wichtigsten Thema im Jazz, nämlich zu „Rhythmus und Phrasierung“ schreiben.

Sicherlich ist dir schon aufgefallen, dass es beim Improvisieren manchmal besser und manchmal schlechter klingt, obwohl du die gleichen Skalen oder sogar die gleichen Töne benutzt. Aus eigener, leidvoller Erfahrung weiß ich – das liegt an der Phrasierung. Bei einem Solo kommt es weniger darauf an, welche oder wie viele Töne du spielst, sondern, dass du sie an der richtigen Stelle spielst. Wo ist aber die richtige Stelle und was versteht man nun eigentlich unter dem Begriff Phrasierung? Wie so oft, habe ich mal wieder „Wikipedia“ bemüht:
"Als Phrasierung bezeichnet man die Beziehung verschiedener Töne innerhalb einer musikalischen Phrase hinsichtlich Lautstärke, Rhythmik, Artikulation und Pausensetzung und deren Behandlung durch den Interpreten. Wie beim Heben und Senken der Stimme, Kürzen und Dehnen von Silben in der Sprache folgen auch in jeglicher Musik nie Töne gleichen Ranges aufeinander. Tonfolgen besitzen immer eine Struktur, z. B. durch Schwerpunkte melodischer, rhythmischer oder harmonischer Art, so dass sich einzelne Tongruppen (Motive) von anderen abgrenzen. Die dadurch entstehenden Phrasen werden durch die Phrasierung dem Hörer kenntlich gemacht."
Das hört sich eigentlich ganz selbstverständlich an, aber genau das ist das Geheimnis eines guten Solos. Um nun die richtige Phrasierung herauszufinden, musst du dich mit der Stilistik des Stückes befassen. Die Phrasierung ist neben dem Rhythmus ein typisches Merkmal und ordnet ein Stück einem bestimmten Musikstil zu. 

Grundsätzlich unterscheidet man, unabhängig vom Takt, zwei Phrasierungsarten – die binäre und die ternäre Phrasierung. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Artikulation und der Positionierung der Achtelnoten. Bei der binären Phrasierung werden die Achtelnoten „gerade“, also exakt auf die Zählzeiten gespielt. Bei der ternären Phrasierung teilt man den Takt in Achteltriolen auf, wobei die ersten beiden Achtel einer Triole gebunden werden. Daraus ergibt sich eine ähnliche Phrasierung wie bei punktierten Achteln, aber wie du auf dem Bild siehst, passen die Zählzeiten nicht genau übereinander. Zusätzlich wird häufig das letzte Achtel der Triole, also sozusagen die "+" etwas stärker betont. 


Die letzte Achtenote der Triole liegt zwischen den 16tel-Noten der binären Phrasierung. Dadurch ergibt sich das typische Swing-feeling. Wenn du zu sehr in die punktierte Phrasierung verfällst, stellt sich der sog. „Bonanza-Swing“ ein. Ebenso untypisch klingt es, wenn du zum Swing-Rhythmus gerade Achtel spielst. Probier‘ es einmal aus, du wirst den Unterschied sicher sofort hören. 

Das Notenbild der triolischen Schreibweise wirkt unübersichtlich und ist schlecht zu lesen, darum notiert man üblicherweise beim Swing normale Achtel und weist zu Beginn des Stückes auf die gewünschte Phrasierungsart hin. Entweder mit Bezeichnungen die auf eine Swing-Phrasierung hindeuten, wie z.B.
  • „Swing-feel“, 
  • „Medium Swing“ 
  • „Fast Swing“ 
oder man schreibt das folgende Notensymbol:      


Als Demo habe ich das folgende, kurze Stück aufgenommen. Es ist eine an das Bluesschema angelehnte, 12-taktige Form, bei der ich mit einem binären Bossa-Rhythmus beginne und dann in einen ternären Swing übergehe. In Beispiel 1 sind die Soli richtig phrasiert, in Beispiel 2 habe ich einfach die Soli vertauscht, also das ternäre Solo über den binären Rhythmus gespielt und umgekehrt. Ich denke, du wirst den Unterschied hören. Die Töne der Soli sind immer die gleichen.



Na, Beispiel 2 klingt doch irgendwie seltsam - oder nicht? Also du hörst wie wichtig die richtige Phrasierung ist, sonst wirkt das schönste Solo nicht (wobei ich nicht behaupten möchte das schönste Solo gespielt zu haben). 
Je mehr Musik einer bestimmten Stilrichtung du hörst, je besser du die Phrasierungen im Ohr hast, desto leichter fällt dir dann auch die richtige Phrasierung beim Spielen. Wer ein guter „Swinger“ werden will, muss sich auch viele Swing-Aufnahmen anhören – alleine über die Theorie Bescheid zu wissen und in den Swinger-Club zu gehen reicht da oft nicht aus. 

In diesem Sinne

Viel Spaß beim Üben !



Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo,
da steckt ja jede Menge Zeit und Mühe in Deinem Blog! Gut verständlich und übersichtlich aufgemacht. Komme gerne wieder vorbei!
Beste Grüße
H.S.

Anonym hat gesagt…

auf jeden Fall! Nur weiter so, das ist die PERFEKTE Ergänzung zum Unterricht!
Treuer Fan
Sebastian