Samstag, 25. Mai 2013

Töne und Intervalle

Hallo lieber Blogleser,

nach längerer Pause möchte ich heute mal wieder etwas zu einem ganz allgemeinen Thema schreiben - zu Tönen und Intervallen.
Ein Intervall ist der Abstand zwischen zwei Tönen. Die Töne können hierbei gleichzeitig oder nacheinander erklingen. Erklingen die beiden Töne gleichzeitig, spricht man von einem harmonischen Intervall, erklingen die Töne nacheinander handelt es sich um ein melodisches Intervall.
Bei der Bestimmung von Intervallen musst du zwischen den akustisch wahrgenommenen und den notierten Intervallen unterscheiden, da ein Intervall in unterschiedlichen Schreibweisen dargestellt werden kann, je nachdem in welchem musikalischen Kontext es notiert ist. Dazu jedoch später mehr.
Die grundsätzliche Festlegung von Intervallen lässt sich am besten über die Stufen der Durtonleiter erklären.  Betrachtest du eine Tonleiter, in unserem Beispiel die C-Dur-Tonleiter, ergeben sich die Intervallbezeichnungen als Abstand der jeweiligen Tonleiterstufe zum Grundton:

1.Stufe  = Prime
2.Stufe  = Sekunde
3.Stufe  = Terz
4.Stufe  = Quarte
5.Stufe  = Quinte
6.Stufe  = Sexte
7.Stufe  = Septime (Septe)
8.Stufe  = Oktave

Das kleinste denkbare Intervall hat eigentlich keinen Tonabstand. Du kannst dir das so merken, indem du dir vorstellst, dass auf zwei unterschiedlichen Instrumenten der gleiche Ton gespielt wird. Dann erklingen zwar zwei unterschiedliche Töne, diese haben jedoch keinen Tonhöhenabstand zueinander. Ein solches, gedankliches Intervall nennt man Prime. Das Gleiche gilt natürlich, wenn du auf einem Instrument denselben Ton zweimal hintereinander spielst (melodisches Intervall).

Spielst du nun eine Tonleiter (als Beispiel C-Dur) von unten nach oben, ergeben sich die Intervalle mit folgenden Halbtonabständen:


Betrachtest du nun als nächstes die Intervalle, indem du die Tonleiter vom obersten Ton aus abwärts spielst, haben sie zwar grundsätzlich die gleichen Namen, aber es ergeben sich jedoch teilweise andere Tonabstände, da du in Abwärtsrichtung ja mit einem Halbtonschritt beginnst.


Somit können innerhalb einer Oktave insgesamt folgende diatonischen Intervalle vorkommen die eindeutig über die Anzahl ihrer Halbtonschritte definiert sind:

Tonleiter aufwärts             HT                            Tonleiter abwärts              HT

Prime                                0                              Prime                                0
große Sekunde                   2                               kleine Sekunde                   1
große Terz                         4                              kleine Terz                         3 
Quarte                               5                             Quarte                               5 
Quinte                               7                             Quinte                                7
große Sexte                        9                             kleine Sexte                        8
große Septime                   11                             kleine Septime                   10
Oktave                              12                            Oktave                               12

Jeweils zwei sog. Komplementärintervalle ergänzen sich zu einer Oktave:

       Primen + Oktaven        = Oktave
       Sekunden + Septimen   = Oktave
       Terzen + Sexten           = Oktave
       Quarten + Quinten        = Oktave
       usw.



Sicher hast du bemerkt, dass vier der Intervalle die gleiche Anzahl an Halbtonschritten haben, egal ob du die Skala aufwärts oder abwärts spielst. Diese Intervalle nennt man reine Intervalle.  Die Intervalle, die sowohl als kleine und große Intervalle vorkommen, nennt man unreine Intervalle. Die reinen Intervalle sind die, die sich nicht verändern, unabhängig davon ob es sich um eine Dur- oder eine Molltonleiter handelt.


Für Intervalle, die größer sind als eine Oktave gelten die gleichen Regeln, da diese Intervalle gedanklich immer aus einer Oktave und einem Restintervall zusammengesetzt werden können.

  9. Stufe                             = None                            Oktave + Sekunde
10. Stufe                             = Dezime                         Oktave + Terz
11. Stufe                             = Undezime                      Oktave + Quarte
12. Stufe                             = Duodezime                    Oktave + Quinte
13. Stufe                             = Tredezime                     Oktave + Sexte

Für das Intervall Oktave + Septime gibt es meines Wissens keinen gebräuchlichen Namen.

In der Notenschrift kann der Tonabstand eines Intervalls durch Vorzeichen (b oder #) alteriert werden:
  • kleine Intervalle werden durch Vergrößerung groß, durch nochmalige Vergrößerung übermäßig
  • große Intervalle werden durch Verkleinerung klein, durch nochmalige Verkleinerung vermindert und durch Vergrößerung übermäßig
  • reine Intervalle werden durch Verkleinerung vermindert und durch Vergrößerung übermäßig
Hieraus kann sich dann die weiter oben bereits angesprochene Diskrepanz zwischen einem „gehörten“ und einem notierten Intervall ergeben. In der Gehörbildung unterscheidet man nur zwischen reinen, kleinen und großen Intervallen. Verminderte und übermäßige Intervalle sind nur von musiktheoretischer Bedeutung.

von links nach rechts:
  • notiert ist eine Quinte.
  • durch das b vor der Note G ergibt sich eine verminderte Quinte (kleine Quinten gibt es ja nicht).
  • durch das # vor der Note C ergibt sich dann eine doppelt verminderte Quinte.
von rechts nach links:
  • notiert ist eine Terz
  • durch das # vor der Note F wird aus der kleinen Terz eine große Terz.
  • durch das b vor der Note D wird aus der großen Terz eine übermäßige Terz.
In beiden Fällen klingt eine reine Quarte, so wie in der Mitte notiert. Die unterschiedliche Notendarstellung ein und desselben Tons nennt man enharmonische Verwechslung.

Ein besonderes Intervall ist der Tritonus, also ein Intervall von sechs Halbtönen. Je nach musikalischem Kontext kann der Tritonus als übermäßige Quarte oder als verminderte Quinte notiert sein. Vom Klang her sind beide Intervalle identisch. Der Tritonus teilt eine Oktave genau in der Mitte, zwei Tritoni ergeben somit eine Oktave.

In Bezug auf die Harmonik werden Intervalle in konsonante und dissonante Zusammenklänge unterschieden. Als konsonant werden Intervalle bezeichnet, die ruhig, harmonisch und stabil klingen. Als dissonant gelten Intervalle, deren Töne eine starke Reibung und Schärfe untereinander besitzen und nach Auflösung zu einem konsonanten Klang drängen. Welche Intervalle konsonant bzw. dissonant klingen, hängt stark von deinen Hörgewohnheiten ab. Im Allgemeinen werden die reinen Intervalle als konsonant, die unreinen Intervalle als dissonant bezeichnet.

Reine Intervalle ergeben sich aus der Obertonreihe eines Klanges. Jeder natürliche Ton besteht aus einem Grundton und einer Reihe von Obertönen, die in Abhängigkeit ihrer Intensität den charakteristischen, individuellen Klang z.B. einer menschlichen Stimme oder eines Musikinstrumentes bestimmen. Ein Ton ohne Obertöne, also ein reiner Sinuston, kommt in der Natur nicht vor.
Die beiden ersten Obertöne in der Obertonreihe sind Oktave und Quinte. Darum haben diese beiden Intervalle im Bezug auf die Entstehung der Harmonielehre eine besondere Bedeutung.  
Im Allgemeinen geht man davon aus, dass ein Intervall umso konsonanter klingt, je kleiner die Zahlen sind, mit denen das Verhältnis der Frequenzen (Schwingungszahlen) der beiden Intervalltöne ausgedrückt werden kann. Darauf werde ich im nächsten Kapitel näher eingehen.

Bis dahin, viel Spaß beim Üben !



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